Die Biomechanik der Verdauung: Wie die Enzymschere arbeitet
In der Welt der Makronährstoffe nimmt Laktose eine Sonderstellung ein. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Disaccharid. Damit diese Energiequelle vom Körper genutzt werden kann, muss sie im Dünndarm in ihre Einzelteile – Glukose und Galaktose – zerlegt werden. Dies geschieht durch das Enzym Laktase, das in den Mikrovilli (Darmzotten) der Schleimhaut produziert wird.
Fehlt dieses Enzym oder ist es in zu geringer Konzentration vorhanden, bleibt der Milchzucker ungespalten. Er wandert weiter in den Dickdarm. Hier beginnt ein Prozess, den die moderne laktosefreie Ernährung zu vermeiden sucht: Die bakterielle Fermentation. Bakterien stürzen sich auf den Zucker, zersetzen ihn und produzieren dabei Gase wie Wasserstoff, Methan und Kohlendioxid.
Genetischer Laktasemangel
Die natürlichste Form. Nach der Stillzeit sinkt die Laktase-Produktion genetisch programmiert ab. Bei vielen Menschen (besonders in Europa) hat sich jedoch die sogenannte Laktasepersistenz entwickelt.
Erworbene Intoleranz
Oft nur vorübergehend. Ursache sind Schädigungen der Darmschleimhaut, etwa durch Zöliakie, chronische Entzündungen oder nach schweren Infektionen. Hierbei ist ein gesunder Ernährungsplan essenziell für die Regeneration.
Entscheidungshilfe
Diese Informationen dienen Neudiagnostizierten und Gesundheitsbewussten, die verstehen wollen, warum "laktosefrei" nicht gleichbedeutend mit "ungesund" oder "künstlich" ist. Es geht um die Wiederherstellung der physiologischen Balance durch eine bewusste Auswahl der Lebensmittel.